Aktuelle Beiträge

Kunst im HVB-Tower – „HVB – The Tower to inspire“

Unter diesem Motto hat im Januar 2015 der Lichtkünstler Philipp Geist für wenige Tage den neu zum Green Building umgebauten HVB-Tower mit bewegten Lichtbildern überzogen. Die Inspiration dieser temporären Installation an der architektonischen Außenhaut des Towers, wird nun mit der Kunst aus der Sammlung HypoVereinsbank, die im Gebäude einen festen Platz bekommt, fortgeschrieben und dauerhaft etabliert.
Kunst am Arbeitsplatz

Kunst im Arbeitsalltag zu erleben, ist für uns alle längst zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dennoch oder vielleicht gerade desshalb sorgt die über viel Jahrzehnte auf 20.000 Werke angewachsene Corporate Collection der HVB für so manche Überraschungsmomente und Denkanstöße. Vielfalt und Größe, aber auch Einzigartigkeit und Individualität kennzeichnet dabei unsere Sammlung in besonderem Maße. Herausragende Einzelobjekte und Meisterwerke der Kunstgeschichte gehören ebenso zum Bestand wie umstrittene und die Auseinandersetzung in besonderer Weise anregende Arbeiten der aktuellen Kunstszene. Diese Verbindung von Tradition und Innovation gibt der Sammlung ihr einzigartiges Profil. Und diese Besonderheit galt es im HVB-Tower bei der Kunstausstattung erlebbar zu machen.

Sébastian de Ganay
Échange d'adresse, 2007
Öl und Acryl auf Industriefolie   
140 x 109 x 6,05 cm
Copyright: © Sébastien de Ganay, Häusler Contemporary München / Zürich

Sébastian de Ganay
Échange d'adresse, 2007
Öl und Acryl auf Industriefolie
140 x 109 x 6,05 cm
Copyright: © Sébastien de Ganay, Häusler Contemporary München / Zürich

Eine Geschichte aus 100 Kunstwerken im Tower

Erzählt wird daher mit den rund 100 Kunstwerken, die nach dem Umbau des Gebäudes in 22 Stockwerken ihren Platz gefunden haben, die Geschichte der jüngeren Sammlung und ihrer Schlüsselwerke. Eine besondere Herausforderung war dabei, zum einen den Bezug zur Sammlungsgeschichte herzustellen und gleichzeitig die europäische Ausrichtung und immer stärkere Globalisierung des Unternehmens überzeugend einzufangen – immer unter dem zentralen Aspekt, mit Kunst Diskurs zu initiieren. Außerdem muss die „Choreographie“ einer Kunstausstattung in einem Bankgebäude natürlich immer auch die verschiedenen Nutzungsbereiche im Haus im Blick behalten.

Shirin Neshat
Speechless, Ed. 2/2, 1996
Tinte auf Silbergelatineabzug    
160,5 x 116,5 cm
© Shirin Neshat, courtesy Galerie Jérôme de Noirmont

Shirin Neshat
Speechless, Ed. 2/2, 1996
Tinte auf Silbergelatineabzug
160,5 x 116,5 cm
© Shirin Neshat, courtesy Galerie Jérôme de Noirmont

Kunst im Dialog für die Eventflächen

Der Leitgedanke, mit Kunst in Dialog zu treten, manifestiert sich insbesondere in den unteren Etagen des HVB-Towers. Hier, im 1. und 2. Geschoss liegen die Eventflächen mit Konferenzräumen und Gästecasino. Menschen, Begegnungen und Gespräche charakterisieren diesen Bereich. Die Werke, die für diese Situation ausgesucht wurden, erzählen – teilweise in umfänglichen Werkkomplexen – ihre spezifische „Story“, verfolgen ein eigenwilliges Konzept, regen an über gesellschaftliche und politische Anliegen nachzudenken und verführen durch einen suggestiven Malstil oder technische Brillanz. Die Flurbereiche in diesen beiden Stockwerken verfolgen ein eigenes Konzept: Das Medium der Fotografie spielt in der Sammlung HVB mit über 2.000 Werken eine besondere Rolle. Aus diesem umfassenden Schwerpunkt wurden für diese Raumsituation Werke gewählt, die zum einen Menschen, Begegnungen und gesellschaftliches Leben „ins Bild rücken“ und zugleich eine kontrast- und beziehungsreiche Mischung aus Klassikern der Fotografie und „Jungen Positionen“ bilden. Fundierte Statements zu diesem Focusthema der Sammlung lassen sich also gerade hier in großer Zahl finden.

Raïssa Venables
Conference Room, Ed. 1/5, 2005
C-Print auf Aludibond hinter mattem Diasec
201 x 168 x 4 cm
©  Raissa Venables, courtesy Galerie Wagner + Partner

Raïssa Venables
Conference Room, Ed. 1/5, 2005
C-Print auf Aludibond hinter mattem Diasec
201 x 168 x 4 cm
© Raissa Venables, courtesy Galerie Wagner + Partner

Europäische Dimensionen - Globales Denken in den „Regelstockwerken“

Das Etagenkonzept in den sogenannte „Regelstockwerken“ vom 7. bis zum 18. Obergeschoss verfolgt und vertieft einen anderen Gedanken. Eine Reise führt uns hauptsächlich durch die Kunst Europas bis hin zu den Kunstströmungen aus Asien und Amerika. So ist der Ausgangspunkt der Reise durch die Länder und Kontinente Deutschland, das im 7. OG mit zwei wichtigen Positionen und Werken von Rupprecht Geiger und Sabine Hornig repräsentiert wird. Dann geht es weiter nach Österreich (8.OG) mit Arbeiten von Siegfried Anzinger und Hubert Schmalix und bleibt auch im 9.OG weiterhin im deutschsprachigen Raum mit Werken von den schweizer Künstlern Christine Streuli und Roman Signer. Im 10.OG richtet sich der Blick nach Italien, hier wurden mit Guiseppe Santomaso, Luigi Ghirri und Carlo Valsecchi drei Künstler aus unterschiedlichen Generationen mit Werken ausgewählt. Im 12. OG setzt sich die Reise durch die europäische Kunstszene mit einem Blick nach Osteurpoa fort. Die Kunstszene in Bulgarien und Rumänien zeigt sich hier in den Werken von Krassimir Terziev und Irina Botea. Es folgen im 13. OG zwei Positionen aus Polen mit den Künstlern Wihelm Sasnal und Agniezska Kaszubowska, die beide mit dem Thema Abstraktion und Gegenständlichkeit spielen. Im 14.OG werden Werke von den renommierten französischen Künstlern George Rousse und Sebastian de Ganay präsentiert. Frankreichs Nachbarland Belgien liegt einen Stock weiter oben, im 15. OG und ist mit den Künstlern David Claerbout und Rinus van de Velde vertreten. Ein Blitzlicht auf die humorvolle, kritische, äußerste lebendige Kunstszene Großbritanniens kann man dann im 16. OG werfen mit prominenten Vertretern wie Peter Hutchinson und, Gilbert & George sowie der jungen Künstlerin Clare Strand.

Wie eine große Klammer zwischen West und Ost und unverzichtbar in Hinblick auf die internationalen und globalen Züge der Sammlung HVB, präsentiert sich im 17. und 18. OG Kunst aus Asien und Amerika. Mit Nobuyoshi Araki und Ryuji Miyamoto sind im 17. OG die unbestrittenen Stars der Japanischen Kunstszene zu sehen, während im 18. OG ein Objektkasten mit einem Landartprojekt aus den USA den Weltbürger und international agierenden Konzeptkünstler Christo vorstellt. Daneben repräsentieren Raissa Venables und Matt Saunders die „jungen Stimmen“ der amerikanischen Ost – und Westküste.

Schlüsselwerke der Sammlung

Die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts mit ihren kontroversen Statements, europäischen Dimensionen und internationalen Ausprägungen hat so im Tower einen festen Platz bekommen. Zwischen dem 19. und 22. OG kann man wenige, aber besondere Werke der klassischen Moderne und Gegenwartskunst bewundern. Auftakt für dieses besondere Segement der Sammlung sind zwei Gemälde des international renommierten Lichtkünstlers Heinz Mack und des englischen Land-Art Künstlers Richard Long. Im 20. und 21. OG findet man Arbeit des Engländers Julian Opie, dessen zentrales Thema der Mensch ist. Im 21. OG ordnet sich dann der Arbeit von Opie ein Werk des bedeutenden deutschen Fotokünstlers Thomas Ruff zu, der sich in seiner Serie „zycles“ mit abstrakt psychedelisch wirkenden Farbräumen beschäftigt. Im 22. OG begegnet man schließlich in einer großen Vitrine der HVB Geldscheinsammlung und im großen Konferenzraum einer mehrteiligen Spiegelarbeit des Schweizer Künstlers Lori Hersberger. Ein Werk von Gerhard Richter und zwei Gemälde von Kurt Schwitters zeigen noch einmal wichtige Aspekte der Sammlung. Ein vom Format eher kleines, von seiner Wirkung jedoch großartiges Werk schließt den Rundgang ab: Es ist eine Schwammskulptur des französischen Avantgarde Künstlers Yves Klein. Das ikonische Werk der Klassischen Moderne beschließt diesen Bereich und gibt zugleich noch einmal ein beredtes Zeugnis von der Fülle und Vielfalt der Möglichkeiten einer Corporate Collection.

Bärbel Kopplin – Kuratorin der Sammlung HVB

  
Aktuelle Termine